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Autor:
Julian M. Schlumbohm
 
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Nachbarschaftshilfe beim Hausbau

Beflügelt durch die sehr gute Konjunkturlage und den insbesondere von Großstädten forcierten Kampf gegen den immer weiter steigenden Wohnraummangel, sind die Auftragsbücher der Bauunternehmen und Handwerker nahezu vollständig gefüllt. Diese gute Auftragslage hat zwar erfreuliche Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote sowie die Steuereinnahmen des Fiskus. Weniger erfreulich sieht es hingegen für Bauwillige aus. Wenn es ihnen überhaupt gelingt einen Bauunternehmer oder Handwerker für die Umsetzung ihres Bauvorhabens zu gewinnen, kommt mit dem Blick auf die Baukosten meist schnell die Ernüchterung. Denn die Baukosten sind aufgrund der vorstehend skizzierten Entwicklung gerade in den letzten Jahren ganz erheblich gestiegen. In jüngster Zeit erleben wir im Rahmen unserer anwaltlichen Tätigkeit immer wieder, dass die von einem Sachverständigen prognostizierten Kosten (z.B. für die Beseitigung eines Baumangels) bei tatsächlicher Umsetzung der Maßnahmen deutlich überschritten werden. Das liegt freilich nicht an der schlechten Schätzung des jeweiligen Sachverständigen, sondern vielmehr an der unvorhergesehenen Baukostenentwicklung der letzten Jahre.

So ist es vollkommen verständlich, wenn Bauherren, die keinen Handwerker finden können oder schlichtweg Kosten einsparen wollen, diverse Arbeiten an ihrem Bauvorhaben selbst vornehmen und hierfür auch auf die Hilfe von Nachbarn, Freunden und Bekannten zurückgreifen. Bei aller Freude über die selbst erbrachten Leistungen und die eingesparten Kosten sollte dabei aber Folgendes bedacht werden:

Schnell ist es passiert, ein Fehltritt aus Unachtsamkeit, ein nicht richtig gesichertes Baugerüst oder eine nicht standsichere Leiter wird betreten und schon kommt es zum Sturz. Jedes Jahr ereignen sich auf Baustellen in Deutschland so oder so ähnlich hunderte Unfälle, teilweise mit katastrophalen Folgen für die Betroffenen. Bauunternehmen und Handwerksbetriebe sind hierfür versichert. Vielen Bauherren ist jedoch nicht bekannt, dass sie verpflichtet sind, auch ihre privaten Helfer (Nachbarn, Bekannte, Verwandte, Freunde usw.) binnen einer Woche nach Beginn der Bauarbeiten bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) anzumelden. Die Kosten für eine solche Anmeldung sind überschaubar und mit ihr ist sichergestellt, dass die gesetzliche Versicherung gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten bei Eintritt eines Versicherungsfalls einspringt. Wird die Anmeldung jedoch unterlassen drohen ein empfindliches Bußgeld und nach einem Unfall eines Helfers unter Umständen gar hohe Regressforderungen der BG Bau. Eine Anmeldung der Helfer bei der BG Bau sollte daher in jedem Fall vorgenommen werden.

Zu beachten ist bei Eigenleistungen auch, dass der gesetzliche Unfallschutz der BG Bau nicht für den Bauherren selbst und dessen gesetzlichen Lebenspartner greift. Hierfür ist der Abschluss einer privaten Unfallschutzversicherung erforderlich.

Erhalten die Helfer aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis für ihre Dienste gar ein Entgelt, kann dies den Tatbestand der Schwarzarbeit erfüllen. Auch hierüber sollten sich Bauherren zuvor hinreichend informieren.

Ein weiteres Problem kann sich – oft erst Jahre nach Fertigstellung des Bauvorhabens – ergeben, wenn plötzlich Mängel sichtbar werden. Beruhen diese Mängel auf fehlerhaften Eigenleistungen des Bauherren oder haben die Eigenleistungen einen Mangel des Vorgewerks hervorgerufen oder noch verstärkt, kann der Bauherr meist keine Kompensation für die Mängel verlangen. Er bleibt in diesen Fällen auf dem Mangel bzw. dessen Beseitigungskosten sitzen. Gleiches dürfte im Regelfall auch für Gefälligkeitsdienste von Nachbarn, Freunden und Bekannten gelten. Es kann sich daher – insbesondere bei mangelanfälligen Werkleistungen oder solchen Werkleistungen, bei denen Mängel signifikante (finanzielle) Folgen haben können – anbieten, diese Arbeiten trotz der ggf. hohen Baukosten an einen entsprechenden Handwerksbetrieb zu vergeben. Dann haben Bauherren im Falle eines Mangels immerhin noch die Möglichkeit ihre Gewährleistungsansprüche – notfalls auch gerichtlich – geltend zu machen.

Julian M. Schlumbohm
Rechtsanwalt
in der Kanzlei KH&S
Dr. Kruse, Hansen & Sielaff
Rechtsanwälte, Fachanwälte, Notare,
Stuhrsallee 35, 24937 Flensburg,
Tel. 0461 – 5 20 77 0

 

Stand 07/2018

 

 

 
   
 
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